Ds'wichtigschte im läbe isch zyt

Bruno Kernen über sein Hotel und sein Leben als Hotelier

Bruno Kernen, vom Skirennfahrer zum Hotelier. So könnte der Titel eines Porträts lauten.

Ihr Hotel Kernen ist ein Drei-Sterne-Haus

mit 22 Zimmern. Dazu kommt ein Restaurant mit rund 85 Sitzplätzen, im Sommer haben wir auf der Terrasse nochmals über 80 Plätze.

Sie sind bewusst ein Drei-Sterne-Hotelier?

Ja, aus Überzeugung. Das zweite Haus, das ich führe, das Hotel des Alpes by Bruno Kernen in Saanenmöser, ist ein Drei-Sterne-Superior-Haus.

Als Sie 1993 das Hotel übernommen haben, hatten Sie damals ein Ziel oder gar eine Vision für das Haus?

Ich führe das Hotel in der 4. Generation. Es geht mir vielleicht auch darum, den Weg für die 5. Generation zu ebnen.

Ihr Sohn, Jan Kernen, ist ja Hotelkaufmann …

… richtig, kann sein, dass er später einmal das Hotel übernimmt. Jan ist erst 26-jährig. Er wird sich in den nächsten Jahren beruflich weiterbilden und Erfahrungen sammeln, deshalb steht eine Übernahme derzeit noch in  den Sternen. Ich bin ja auch noch nicht im Pensionsalter! Kennen Sie den bekannten Spruch?

Welchen meinen Sie?

Wie macht ein Hotelier schnell ein kleines Vermögen?

Keine Ahnung.

Man muss mit einem grossen Vermögen anfangen … Schauen Sie, unser Hotel ist ein traditionsreicher Betrieb, wir stehen fest auf dem Boden und heben nicht ab. Es gibt im Saanenland so viele Gault-Millau- und Sternelokale, Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, da positionieren wir uns gerne als eher bürgerliches Traditionslokal. Es ist überhaupt nicht mein Ziel, im Gault-Millau oder bei Michelin aufgeführt zu werden.

Haben Sie Probleme mit dem Gault-Millau?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe mal mit Urs Heller, dem Chefredaktor, gesprochen. Ich schätze seine Arbeit und seinen Guide, aber ich muss da nicht dabei sein. Wäre es mein Ziel, 15 oder gar 16 Punkte zu haben, müssten wir unsere Küche und den ganzen Betrieb völlig umkrempeln, doch das will ich nicht.

Wie würden Sie Ihre heutige Küche umschreiben?

Es ist eine gutbürgerliche, regionale Küche. Wir versuchen, möglichst viele lokale Produkte einzukaufen, sofern das möglich ist. Wir legen Wert auf Frische und Qualität. Unser Wild stammt aus der Region – und nicht aus Polen oder Ungarn. Überregionale Produkte, die im Saanenland nicht erhältlich sind, kaufen wir über die IG Procurement Gstaad-Saanenland ein. Bei dieser Interessengemeinschaft machen 19 Hotels aus der Region mit.

Viele Hotels im Saanenland sind Saisonbetriebe. Haben Sie auch nur im Sommer und Winter offen?

Nein, wir sind ganzjährig geöffnet. Nur Anfang Dezember und Ende April schliessen wir den Betrieb einige Tage für die Generalreinigung.

Lohnt sich der Ganzjahresbetrieb?

Ja, ich erziele auch in schwachen Monaten einen Deckungsbeitrag. Wir profitieren ein wenig von der Tatsache, dass ab Ende Oktober und ab Ende April viele Hotels in der Umgebung geschlossen sind. Viele Gäste, die Ruhe suchen, steigen bei uns im November oder Mai ab.

Was ist eigentlich das Besondere im Hotel Kernen?

Einzigartig ist sicher die Lage des Hotels mitten in Schönried. Das Hotel liegt direkt beim Bahnhof, nahe der Busstation und vor allem bei den Bergbahnen …

Sind das wirklich Vorteile?

Ja, klar, fragen Sie unsere Gäste! Die Nähe zum öffentlichen Verkehr ist für viele Gäste ein Pluspunkt, auch wenn die meisten mit dem Privatauto kommen.

Nachteile?

Die Hälfte der Zimmer liegt an der Hauptstrasse. Nur: Wäre das Hotel nicht direkt an der Strasse, wäre das auch ein Nachteil, weil man unser Restaurant nicht finden würde.

Laut dem Hotelpionier Conrad Hilton erfüllen Sie somit den wichtigsten Erfolgsfaktor bei einem Hotel, nämlich die Lage. Was aber bietet das Haus im Innern – nebst Zimmern und Restaurant?

Der Patron des Hauses ist täglich vor Ort, bei seinen Gästen. Ich nehme meine Rolle als Gastgeber sehr ernst. Es gibt hier keine Direktoren.

Sie sind sieben Tage im Hotel.

Mehr oder weniger. Es sind sechseinhalb Tage, wenn ich nicht gerade auf der Jagd oder am Golfen bin. Einzigartig ist sicher auch, dass es bei uns in der Gaststube noch einen richtigen Stammtisch gibt, wo sich Arbeiter, Bauern und Bürger des Dorfes treffen. Doch jeder kann an den Stammtisch sitzen, nicht nur die Stammgäste!

Haben Sie Wellnessangebote im Hotel?

Nein. Wellness findet bei uns draussen in der Natur statt. Man kommt zu uns und will die Natur geniessen, indem man Wanderungen unternimmt, aufs Velo oder Bike sitzt, in die Berge fährt – und das bei jedem Wetter.

Nur zwei Gehminuten von Ihnen entfernt befindet sich das Wellness-Hotel Ermitage mit Solbad, Saunen, Dampfbädern, Whirlpools …

… unsere Hotelgäste können den Spa im Nachbarhotel Ermitage zu einem vergünstigten Preis benutzen.

Wer sind Ihre Hotelgäste? Welche Gästesegmente sprechen Sie mit dem Hotel Kernen an?

Die meisten Gäste sind 40 Jahre alt oder älter. Es sind Paare, Singles, Familien. 70 Prozent stammen aus der Schweiz, der Rest aus Frankreich, Benelux, England, Deutschland, USA und einige auch aus Brasilien und Asien.

Weitere Besonderheiten im Hause Kernen?

Wir führen den Betrieb sehr persönlich und familiär.

2006 haben Sie die Zimmer des Hotels, das Dach des Hauses und das Restaurant saniert …

… richtig. Und im Sommer 2019 haben wir die Zimmer mit neuen Boxspringbetten ausgestattet.

2004/05 haben Sie direkt neben dem Hotel zwei Häuser mit siebzehn Wohnungen gebaut. Sechzehn Wohnungen haben sie verkauft. Konnten Sie dadurch den Umbau des Hotels finanzieren?

Ja.

Sie haben die Häuser mit den siebzehn Wohnungen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen gebaut.

Ja. Dank dem Gewinn, der aus dem Verkauf der sechzehn Wohnungen resultierte, konnten wir das Hotel umbauen. Im Restaurant habe ich darauf geachtet, dass diverse gemütliche Stuben entstehen. Sie sind alle mit Altholz ausgestattet.

40 Zimmer sind das Minium in einem Hotel, sagen Experten. Wer Geld verdienen will, sollte also mindestens 40 Zimmer haben. Sie haben nur 22 Zimmer. Wie schaffen Sie es, mit so wenigen Zimmern Geld zu verdienen?

Man kann auch mit 22 Zimmern Geld verdienen. Wie? Nun, ich zahle mir alles andere als einen Fantasielohn aus. Wichtig sind auch die Mitarbeitenden. Man braucht sehr gute, treue und motivierte Leute, um Erfolg zu haben. Wir haben Mitarbeitende, die seit über 20 Jahren im Hotel arbeiten.

Sie verdienen so viel Geld, dass Sie den Betrieb gut finanzieren können.

Jein. Die letzten Jahre waren schwierig. Seit der Euro gegenüber dem Schweizer Franken an Wert verloren hat, wurde es noch schwieriger als zuvor. Doch man kann nicht nur mit Zimmern gutes Geld verdienen. Wichtig ist die ganze Dienstleistungspalette im Hotel und Restaurant.

Sprechen wir noch kurz über den Weinkeller. Sie lieben ja vor allem Bordeaux-Weine …

Das darf man laut sagen! Ich mag zwar auch Italiener oder Spanier, aber Bordeaux ist für mich die Krönung.

Ihr Lieblingswein?

Ich habe da einen reinen Merlot im Keller, einen wunderbaren Bordeaux: Château Cadet Soutard, Grand Cru, Saint-Émilion, Jahrgang 2010. Wenn ich auf die einsame Insel müsste, würde ich zwei oder drei Kisten mitnehmen (lacht).

Haben Sie auch exklusive und teure Kultweine im Keller?

Nein, meine Gäste wollen Weine, die sie bezahlen können. Privat habe ich ein paar besondere, alte Weine in meiner Schatzkiste, die stehen aber nicht auf der Karte. Kultweine von Gaja & Co. finden Sie in Gstaad in fast jedem Restaurant.

Wie viele Flaschen lagern in Ihrem Keller?

Das Inventar lag mal bei rund 120 000 Franken, dann habe ich den Weinbestand heruntergefahren, jetzt liegt der Wert bei etwa 70 000 Franken. Das sind etwa 45 verschiedene Positionen.

Wo liegt der Schwerpunkt im Weinkeller?

In der Schweiz. Wallis, Tessin, Waadtland und Bündner Herrschaft, Ostschweiz … mein Ziel ist es, noch mehr Schweizer Weine auf die Karte zu setzen.

Welche Weine verkaufen sich im Hotel Kernen am besten?

Schweizer Weine, denn viele Gäste trinken bewusst keine ausländischen Weine.

Sie haben auch einen eigenen Wein.

Ja, der Selection 29. Die 29 war meine Startnummer in Kitzbühel 1983. Die Etikette erinnert an meinen grössten Sieg als Skirennfahrer. Der Wein ist eine Assemblage von Cornalin, Humagne Rouge und Cabernet Franc.

Sie führen ja auch das Hotel des Alpes by Bruno Kernen, ein Tochterbetrieb in Saanenmöser. Wie sind Sie an diesem Hotel beteiligt?

Ich bin Pächter des Betriebs. Die Liegenschaft gehört zwei Freunden. Ich pachte und führe das Hotel seit Dezember 2011. Das Haus hat elf Zimmer. Meine Schwägerin kümmert sich um die Küche und bietet im Restaurant Spezialitäten an. Schwerpunkte sind Fondue Chinoise à discrétion, Käsefondue und Raclette. Im Sommer gibt es zusätzlich Grillspezialitäten mit dem brasilianischen Touch meiner Schwägerin Zaza. Zudem kocht sie täglich ein Tagesangebot.

Zusammen mit dem Hotel des Alpes by Bruno Kernen kommen Sie auf 33 Zimmer.

Richtig, wobei wir die beiden Hotels auch gemeinsam vermarkten.

Ein besonderes Anliegen im Hotel ist Ihnen die Ausbildung der Lehrlinge.

Richtig. Nachwuchsförderung ist ein zentrales Thema, egal ob in einem Verein, Skiclub, in der Politik oder im Gastgewerbe. Ich liebe die Hotellerie! Deshalb ist es mir ein Anliegen, dass wir etwas tun für unseren Nachwuchs, dass wir junge Leute fördern und motivieren für die Berufe des Gastgewerbes. Derzeit arbeiten bei uns ein Kochlehrling, eine Hotelfachassistentin und ein Hotel-KV-Lehrling.

Alle sprechen vom Fachkräftemangel, doch leider kümmern sich zu viele Hoteliers und Gastronomen überhaupt nicht um den Nachwuchs.

Afin de vous proposer le meilleur service possible, ce site utilise des cookies. En continuant de naviguer sur le site, vous déclarez accepter leur utilisation.

J’accepte.